Ende April war es wieder so weit: Eine neue Fedora-Version stand vor der Tür. Mein bewährter Surface Laptop 3 wartete bereits auf das Upgrade auf die Version 44. Doch diesmal lief der Prozess über die Shell nicht ganz so reibungslos durch, wie ich es gewohnt war. Ein Paketkonflikt im Bereich des Power-Managements stoppte das Vorhaben abrupt.
Das Problem waren die Pakete für das Power-Management
Beim Versuch, das Upgrade einzuspielen, brach DNF mit einer Fehlermeldung ab. Der Kern der Nachricht: Dateikonflikte zwischen tlp und tuned-ppd. Beide Pakete versuchten, dieselben DBus-Service-Dateien unter /usr/share/dbus-1/ zu beanspruchen.
Hier der Fehler im Detail:
Fedora hat mit Version 44 den Wechsel hin zu tuned als Standard-Daemon für Stromsparprofile vollzogen. tuned-ppd dient dabei als Schnittstelle, damit die GNOME-Einstellungen (der Schieberegler für „Leistung/Ausbalanciert/Energiesparen“) weiterhin funktionieren. Wer – wie ich – in der Vergangenheit manuell TLP installiert hat, um das Maximum aus dem Akku des Surface herauszuholen, gerät hier in einen harten Ressourcenkonflikt.
Die Lösung war die Deinstallation von TLP
Da Fedora 44 nun massiv auf tuned setzt, habe ich mich dazu entschieden, TLP den Laufpass zu geben und auf den neuen Standard zu setzen. Damit war der Weg für das Upgrade frei.
Folgende Schritte in der Shell haben das Problem gelöst und beschreiben dazu noch das Upgrade:
Nach dem Upgrade ist vor dem Upgrade …
Was mir sonst noch aufgefallen ist (nach dem Upgrade):
Das bisher verwendete Hintergrundbild stammte noch aus Fedora 43 und wurde beim Upgrade entfernt. Daher musste ich ein neues Wallpaper aus dem Fedora‑44‑Paket auswählen.
Die OneDrive‑Integration schlug wiederholt fehl. Erst nach dem vollständigen Entfernen der bestehenden Verbindung und einer neu erforderlichen App‑Registrierung über GNOME konnte die Synchronisation wiederhergestellt werden
Fedora Workstation verwendet aktuell noch den 6er‑Kernel. Das ist jedoch kein Nachteil – das System läuft stabil, wie schon seit langer Zeit.
Fazit
Wieso es genau zu diesem Konflikt kam? Wahrscheinlich habe ich in Fedora 43 zu intensiv an den Energieeinstellungen optimiert und dabei TLP als Ergänzung oder Ersatz installiert. Da Fedora 44 nun eine eigene, moderne Architektur für diese Profile mitbringt (tuned-ppd), vertragen sich die beiden Ansätze auf Dateiebene nicht mehr.
Nach dem Reboot lief mein Surface Laptop 3 anstandslos unter Fedora 44 hoch. Wer also vor einem ähnlichen „Transaction failed“ steht: Prüft eure installierten Power-Management-Tools und werft einen Blick auf die Gnome-Extensions, nicht alle waren zum Start von Fedora 44 kompatibel.
No Panic please!
Ja, nein, vielleicht — und bevor ich mich weiter in dieser Antwortmatrix verliere, schreibe ich jetzt einfach ein paar Sätze. Dieser Blog hier nennt sich Windows SBS und Essentials Blog, und genau so ist er im Mai 2008 gestartet. Der erste Beitrag? Natürlich ein Defekt des CPU‑Lüfters im Lexmark X502n. Ein würdiger Auftakt für eine lange Reise voller Themen, die streng genommen alle aus dem Small‑ und Medium‑Business‑Umfeld stammen. Und ja: Ich dachte damals, das könnte vielleicht irgendjemandem helfen.
Zur Überraschung: Hat es und tut es immer noch, auch wenn sich die KI an den Themen sattfrist und 50% der Hits weggefallen sind.
Den eigentlichen Windows Small Business Server (SBS) und seinen Nachfolger, den Windows Server 2012 Essentials (SBE), hat uns Microsoft dann genommen — in der charmanten Annahme, kleine Firmen würden natürlich alle in die Cloud wechseln.
Spoiler: Das war gleichzeitig richtig und komplett daneben. Die Chance, Exchange aus den Kellern der Kunden zu befreien und in kompetente Hände zu legen, konnte ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen. Also habe ich ASAP eine Menge Migrationen von Exchange (SBS 2008 R2) nach BPOS durchgeführt. Und obwohl ich im Enterprise‑Bereich schon einige Exchange‑Wiederherstellungen überlebt hatte, wollte ich mir diesen Nervenkitzel bei kleinen Kunden nicht mehr antun. Man wird ja nicht jünger. Zusätzlich gibt es im SMB-Umfeld eine Reihe von LOB-Anwendungen die ein wahres Horrorkabinet darstellen … und während die Hyperscaler an die Cloud denken, kämpfe ich mit „lokalen Admins“ damit die Praxissoftware überhaut läuft!
Linux und ich — das ist übrigens keine Beziehung, die erst begann, als virtuelle Router plötzlich „hip“ wurden oder eine SSH‑Session auf ein Synology‑NAS die Tür zu erweiterten Konfigurationen (oder nennen wir es ruhig „Hacks“) öffnete. Nein, Linux war mein zweiter Dateiserver nach Novell NetWare 3.1. Irgendwann in den 90ern habe ich mich — schneller als manche Großunternehmen — entschieden, im Heimnetz auf TCP/IP umzusteigen. Aus Kostengründen lief auf dem Server Linux mit einem Kernel 1.x und Samba. Der Client war bis 1996 OS/2 Warp 3, und erst dann haben Windows NT 4.0 und ich uns endlich gefunden. Eine späte, aber stabile Beziehung.
Grundsätzlich soll hier jedes Betriebssystem seinen Platz finden, das im SMB‑Umfeld sinnvoll ist und mich gelegentlich an den Rand der Verzweiflung bringt — äh, ich meine: vor interessante Herausforderungen stellt.
Darum wird es in diesem Blog auch weiterhin um Themen aus dem SMB‑Kosmos gehen. Vielleicht nenne ich ihn irgendwann sogar „Small‑ und Medium‑Business‑Blog“ oder etwas ähnlich Kreatives. Was meint ihr dazu?
Enjoy it, b!



